Forschendes Lernen

Kinder bringen von Geburt an ein umfassendes Neugierverhalten und große Explorationslust mit. Wenn ihre körperlichen Fortbewegungsmöglichkeiten reifen, ihr Urvertrauen wächst und sie in ihren Bezugspersonen bzw. in ihrer Bezugsperson einen „sicheren Hafen“ erleben, so wird ihr Forscherdrang immer besser ersichtlich. Eine anspruchsvoll vorbereitete Umgebung, die sich nicht von Entwicklungs- und Altersnormen einschränken lässt und eine auffordernde pädagogische Haltung können das Kind in seinem forschenden Lernen unterstützen.

Durch systematische Beobachtung einerseits und intensive dialogische Auseinandersetzung mit den Kindern andererseits kann die Kindergartenpädagogin/der Kindergartenpädagoge herausfinden, welche Themen oder Phänomene für einzelne Kinder zentral sind. An diesen Kenntnisstand soll anschließend gemeinsam mit den Kindern versucht werden, Forschungsfragen zu formulieren.

Nun muss ein Plan über die weiteren Forschungsschritte entwickelt werden, um schlussendlich strukturiert zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen. Eine so genannte Ideensonne, auf der von der Forschungsfrage ausgehend auf einem großen Blatt Papier viele Gedanken notiert und sortiert werden, kann dabei behilflich sein. Diese soll während des Forschungsprozesses immer wieder modifiziert und ergänzt werden (ev. unterstützt von Erwachsenen).

Um selbstbestimmt agieren zu können, eignet sich das Anlegen einer Materialiensammlung, der sogenannten Forscherinnen- bzw. Forscherkiste mit Fotos, Bildern aus Zeitschriften, Steinesammlungen, gezeichneten Bilder, gepressten Blüten und vielem mehr. Die Unterstützung der Eltern ist für solche Forschungsprojekte im Kindergarten evident und muss durch Informationsveranstaltungen und Gespräche gut vorbereitet werden.

Während der Forschungsphase arbeiten die Kinder individuell und möglichst selbstständig. In Kleingruppen treffen die Pädagogin/der Pädagoge und die Kinder immer wieder zu Forscherinnen- und Forscherkonferenzen zusammen, um den Status quo der Kinder zu erheben, Hilfestellungen zu bieten und die Abschlusspräsentation zu besprechen.

 

Durch das Sammeln von Erfahrungen, durch Untersuchen, Vergleichen und Experimentieren konstruiert sich jedes Kind nach und nach, und immer in Interaktion mit anderen, sein Bild von der Welt, in der es lebt. Es erforscht die Welt und lernt diese dabei durch den Einsatz seiner eigenen Stärken kennen. Offene, kreative Aufgabenstellungen sowie die Methode des Forschenden Lernens regen besonders auch das begabte Kind in seinem Potenzial und seiner Eigenständigkeit an.

Des Weiteren kommt die kontinuierliche forschungsgeleitete Beschäftigung mit eigenen Themen Kindern besonders entgegen, da sie auf diese Weise ihre lernmethodischen Kompetenzen (wie Ziele stecken, eigene Stärken und erfolgreiche Arbeitsstrategien kennen, Planung in Schritten vornehmen etc.) weiterentwickeln können.

Begabungsförderung bedeutet eine Bereicherung für die gesamte Gruppe, da unterschiedliche Potenziale für die allgemeine Perspektivenerweiterung genutzt werden, wenn gemeinsam geforscht, gespielt und gelernt wird.

 

 

Arnold, D. & Preckel, F. (2011). Hochbegabte Kinder klug begleiten. Ein Handbuch für Eltern. Weinheim, Basel: Beltz Verlag.

Calvert, K. & Jakobi, R. (2010). Praxishandbuch Forschendes Lernen. Gefördert durch: Anstiften. Impulse für Hamburg und RICOH Deutschland. Zu beziehen über die Schule Forsmannstraße, c/o Ruth Jacobi.

Schenker, I. (2010). Inklusive Hochbegabtenförderung in der Kindertagesstätte. In C. Koop, I. Schenker, G. Müller, S. Welzien & Karg Stiftung (Hrsg.). Begabung wagen. Ein Handbuch für den Umgang mit Hochbegabung in Kindertagesstätten (S. 271-289). Weimar, Berlin: Verlag das Netz.

Stöcklin-Riedlinger, V. (2012). Individualisieren – Differenzieren. Begabungs- und Begabtenförderung im Kindergarten und in der Grundschule. Winterthur Schweiz: Pro-Kiga.